Impressum AGB Kontakt Über uns Partner Hilfe
Das Portal für Kindertagespflege
Home
Tagespflegezentrale
Betreuungsstellen-Angebote Betreuungsstellen-Gesuche
Termine & Veranstaltungen
Tipps & Infos
Neues zur Tagespflege
Mit Kindern leben
Mitreden
Mein Laufstall
Mitglied werden
Anmelden
Link: Neues zur Tagespflege

Wie kommen Tageseltern mit der neuen Hartz-IV-Regelung zurecht?

09.02.2012
Tageseltern, die Leistungen nach ALG II (Hartz 4) erhalten, müssen seit dem 1. Januar 2012 sämtliche Leistungen nach § 23 SGB VIII als Einkommen angeben - auch die sogenannte Sachaufwandsentschädigung. „Welche Konsequenzen hat das für die Betroffenen?“, fragten wir und bekamen viele Antworten, die nachdenklich machen sollten. Einige Zitate aus diesen Antworten, die für viele Betroffene stehen, haben wir hier zusammengestellt:

Eine Tagesmutter, die sich seit Jahren weiterbildet und sich auch ehrenamtlich für Kinder engagiert, bedauert es sehr, dass es ihr „aus finanziellen Gründen bald nicht mehr möglich sein wird, Kinder zu betreuen“, und ist der Überzeugung: „Mit dieser Änderung werden viele Tagesmütter überlegen, ob sie die Tätigkeit aufgeben werden“. Ganz klar formuliert sie ihre Meinung: „Ich persönlich finde es eine Schande, dass man arbeiten will – unter Mindestlohn – gerade in den Bereichen Integration, Kindertagesbetreuung unter 3-Jähriger, man aber aus finanziellen Gründen gezwungen ist, nicht zu arbeiten.“ Darüber hinaus beanstandet sie die schlechte Zahlungsmoral der Behörden. Erst am 5. des Folgemonats hätte sie zum Beispiel den ergänzenden ALG-II-Satz für den vorherigen Monat erhalten.

Die schlechte Zahlungsmoral der Behörden beanstandet auch eine weitere Tagesmutter, die seit 30 Jahren in einer Großtagesstelle arbeitet, und nun aufgeben will. Einige ihrer Gründe: „Monatelang kamen unzureichende Zahlungen, Hartz-IV-Unterstützung gab es nicht, da das Geld ja irgendwann kommen müsste.“ Als die Kindertagespflege in ihrer Stadt professionalisiert werden sollte, hatte das für sie nichts Positives. „Ein normales Wohnhaus genügte plötzlich nicht, es musste eine Gewerbeimmobilie her, Eltern erhielten keine oder sehr unterschiedliche Auskünfte über Zuzahlungen [...]“

Eine weitere Tagesmutter schrieb uns, dass sie wohl gezwungen sein wird, aufzuhören. Ihre Begründung: „Jeder Arbeitslose darf einen Betrag seines Einkommens anrechnungsfrei behalten. Das darf wohl auch ich, aber ich müsste meine Pflegekinder davon ernähren.“

Als wenig attraktiv befindet eine weitere Tagesmutter den Job. Die gelernte Erzieherin bezieht zwar kein Hartz IV, ist aber nichtsdestotrotz der Meinung, dass im Verhältnis zu den Anforderungen, die an Tagespflegepersonen gestellt werden, finanziell zu wenig herauskommt. Sie versuche zurzeit ein anderes Standbein aufzubauen, „um unabhängig von Ämtern vor allem dem Jugendamt und Vermittlungsstellen zu sein, weil man von ihnen keinerlei Unterstützung und Rückhalt bekommt.“ Sie würde selbst gerne wieder als Tagesmutter arbeiten, aber nur unter besseren Bedingungen.

Eine Tagesmutter hat uns geschrieben, dass sie es eben so macht, wie jeder andere Selbstständige. Die gesamten Einnahmen angeben, ebenso wie alle Ausgaben. „So ist es doch in jeder Firma“, meint sie. Für die meisten bleibt jedoch die Unsicherheit im Vordergrund: Eine Tagesmutter weiß zum Beispiel nicht, welche Auswirkungen die Änderungen auf die ihre Krankenversicherung haben wird. Andere machen sich Gedanken über die Rentenversicherung ...

Unser Fazit aus den Antworten: Viele Tagesmütter tragen sich mit dem Gedanken, diese Tätigkeit aufzugeben, weil sie sich finanziell nicht mehr trage. Einige wichtige Fragen im Zusammenhang mit den Leistungen nach SGB II seien unbeantwortet geblieben und die Zusammenarbeit mit den Behörden sei vielerorts zu beanstanden.