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Tagesmütter fühlen sich von ver.di verunglimpft

13.06.2008
Am letzten Wochenende (7.6.2008) erreichte die Laufstall-Redaktion die E-Mail einer Tagesmutter aus Mannheim, die empört berichtete, dass die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di in Kindertageseinrichtungen Flyer verteile, in denen die Tätigkeit von Tagespflegepersonen verunglimpft wird. In diesen Flugblättern, von denen einige sich an die Kita-Beschäftigten selbst richten, andere die Eltern zu einer Unterschriftenaktion gegen das Kinderförderungsgesetz aufrufen, seien Sätze zu lesen wie „Tagesmütter als Regelangebot hingegen bedeuten eher `verwahren´ als `bilden´“ oder „Denn die Zulassung privater Betreiber, Tagesmütter als Regelfall und ein individuelles Betreuungsgeld sind der falsche Weg. Das bedroht die Bildungs- und Zukunftschancen der Kinder ...".

Die Mannheimer Tagesmutter schreibt uns zu Recht: „Ich ärgere mich sehr, dass meine wirklich gute Betreuungsarbeit so mies gemacht wird. Was soll das?“

„Ver.di vertritt natürlich die Interessen ihrer Mitglieder, der angestellten Erzieher/innen“, ist dem Erlanger Tagesmütterverein Schnullerbacke e. V. klar. „Dennoch darf es dabei aber nicht passieren, dass andere – in diesem Fall die Tagesmütter – diffamiert werden“, argumentiert der Verein in einem Einspruch gegen die ver.di-Flyer sowie gegen eine Stellungnahme der Dienstleistungsgewerkschaft zum Kinderförderungsgesetz. Der Verein schreibt weiter:

„In der Stellungnahme von ver.di ist zu lesen, dass die Tagespflege gegenüber den Tageseinrichtungen keine gleichwertige Förderung im Sinne des § 22 KJHG leisten könne. Im Flyer steht sogar, dass wir die Kinder nur `verwahren´.
Hierzu ist zu sagen, dass es bereits seit den 70er Jahren Modellversuche und wissenschaftliche Begleitungen des Deutschen Jugendinstituts gibt, die sich mit den Qualitätsstandards in der Tagespflege beschäftigen. In den 90er Jahren entstand daraus ein 160 Stunden umfassendes Curriculum, das zur Zeit weiterentwickelt wird. 2005 wurden die bundesweiten Standards im TAG und KICK verabschiedet und sind seitdem für alle Tagesmütter bindend.

Nach so langem Diskussionsprozess und bundesgesetzlichen Veränderungen wirkt es beleidigend, wenn Tagesmütter als unqualifiziert hingestellt und von der größten Dienstleistungsgewerkschaft für deren Zwecke missbraucht und diffamiert werden.“

Nachdem sich bereits auch Politiker recht gedankenlos über die Kindertagespflege als Betreuungsform geäußert haben (siehe Tagespflege und Krippen sind gleichberechtigt!), sind viele Tagespflegepersonen nun verärgert, dass auch weitere unreflektierte Ansichten über ihre Arbeit öffentlich verbreitet werden. Wenn im ver.di-Flyer an die Eltern z. B. zu lesen ist „Was passiert eigentlich, wenn die Tagesmutter erkrankt?“ stellt sich unweigerlich die Frage, ob sich der Verfasser überhaupt über die Tagespflege informiert hat: Der Anspruch auf eine Ersatzbetreuung bei Erkrankung der Tagesmutter ist seit 2005 gesetzlich verankert!

In seiner Stellungnahme schreibt ver.di weiterhin, dass Kindertagesstätten im Gegensatz zur Kindertagespflege Möglichkeiten wie Raum und Material zur Auseinandersetzung mit der Welt böten. Dies kommentiert der Erlanger Tagesmütterverein: „Tagesmütter können ihren Tageskindern dafür die direkte Auseinandersetzung mit der Welt bieten“. Denn nur in einer Kleingruppe ist es möglich zusammen einkaufen zu gehen, Spielplätze zu besuchen, schwimmen zu gehen, täglich die Natur zu erkunden und vieles mehr.

Wer will hier entscheiden, was für jedes Kind am besten ist?

Statt Eltern gegen oder für die eine oder andere Betreuungsform zu mobilisieren, sollten die Verantwortlichen von ver.di sowie Politiker sich vor Augen führen: Das Wichtigste bei der Auswahl eines Betreuungsplatzes ist immer das Wohl des Kindes. Eltern sollen zwischen den verschiedenen Möglichkeiten frei wählen können, was für ihr Kind das beste ist.