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Zuschüsse zur Tagespflege - initiativ werden!

14.07.2008
Überall heißt es, die Betreuung für Kinder unter drei Jahren solle ausgebaut, Vorhaben, Plätze zu schaffen, unterstützt werden. Was aber ist mit den bestehenden Betreuungsstellen? Nach dem Investitionsgesetz sollen ja nur ab Oktober neu geschaffene Plätze gefördert werden - alt eingesessene Tagespflegepersonen gehen also leer aus.

Ich betreibe meine Tagespflegestelle seit Juni 2001 mit einer Belegung von fünf Plätzen. Seit 2007 ist laut dem neuen hessischen Gesetz das Platzsharing mit bis zu zehn Verträgen gestattet. Da bei uns im Landkreis der Bedarf auch an stundenweiser Betreuung hoch ist, habe ich meist alle zehn Plätze belegt. Nun kann man sich vorstellen, dass im Laufe von sieben Jahren die einstige Grundausstattung, die teilweise noch aus Beständen unserer eigenen Kinder stammte, ziemlich in Mitleidenschaft gezogen wurde. Auch das stabilste Spielzeug, die qualitativ hochwertigsten Möbel tragen nach jahrelanger Benutzung Gebrauchsspuren davon. Vom hiesigen Jugendamt gibt es weder für die Grundausstattung noch für Erweiterungen Zuschüsse. Die Zuschüsse aus dem KNIRPS-Programm des Landes Hessen, die ich voll beantragt habe, benutze ich, um die Elternbeiträge moderat zu halten und die Sozialabgaben abzufangen.

In unserer Stadt wurde vor ca. zwei Jahren eine private Kinderkrippe eröffnet, deren Betreuungssatz deutlich über dem meinen lag. Im letzten Jahr hat die Besitzerin wegen vermehrter Unstimmigkeiten mit der Elternschaft die Türen quasi über Nacht geschlossen und allen Eltern gekündigt. Mit viel Aufwand und vor allem auch Kosten wurden kurz vorher Räume im ehemaligen Altersheim für diese Kinderkrippe renoviert und umgebaut. Die Kosten hierfür bestritt komplett der Vermieter, die Stadt Gernsheim.

Diese sah sich auch in der Pflicht, das Angebot der Betreuung für unter Dreijährige aufrecht zu erhalten, und übernahm kurzerhand die Leitung und Trägerschaft der „Kinderkrippe Finkennest“, die nun „städtische Kinderkrippe“ heißt.
Aufgrund dieser Begebenheiten und der Berichte von Eltern, die ihre Kinder nicht in der Krippe betreuen lassen möchten, habe ich mich entschlossen, einen offenen Brief an den Träger der Krippe, die Gemeinde, bzw. an dessen Vertreter, den Bürgermeister unserer Stadt, zu schreiben.

Viele Eltern sehen sowohl pädagogische als auch klassische organisatorische Vorteile in der Betreuung durch eine Tagespflegeperson. Die kleineren Gruppen, die individuelle Betreuung des einzelnen Kindes, das Eingliedern besonders von Einzelkindern als Teilzeitgeschwisterkind in eine bestehende Familie und die immer gleich bleibende Bezugsperson sind die Hauptvorteile, die mir von Eltern immer wieder als ausschlaggebende Argumente genannt werden. Der individuelle Umgang mit wechselnden Betreuungszeiten, die Möglichkeit, flexibel die Betreuungsstunden zu verlängern oder zu verkürzen (auch kurzfristig), das Einbinden von Ritualen des Kindes in den Tagespflegealltag, die individuelle Eingewöhnung, die individuell angepassten Abrechnungsmodelle und damit einhergehenden schwankenden Betreuungspreise sind nur einige der rein organisatorischen Vorteile, die eine Tagespflegeperson gegenüber der Krippe biete.

In der städtischen Krippe gelten starre Öffnungszeiten, ähnlich einem Kindergarten. Die Eltern können einen Ganz- oder Halbtagsplatz buchen; eine Betreuung nur an einzelnen Tagen ist zwar möglich, aber trotzdem muss der volle Fünf-Tages-Platz gebucht und auch bezahlt werden. Man ist auf das Betreuungsmodell festgelegt, flexible Verlängerungen in Einzelfällen sind nicht möglich. Urlaubs- und Krankheitszeiten werden grundsätzlich durch bezahlt.
Das alles gibt es bei meiner Kindergruppe nicht.
All diese Argumente habe ich in einem Brief zusammengefasst und damit dem Bürgermeister erklärt, dass ich nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zum Angebot der Stadt Gernsheim, zum Wohle der Familien arbeite.
Diesen Brief habe ich direkt, persönlich und zu seinen Händen in der Stadtverwaltung abgegeben. Hausintern wurde der Brief an den zuständigen Amtsrat für Kindertagesstätten weitergeleitet.

Es begann ein Kontakt per E-Mail, in dem ich gebeten wurde, eine Liste der Kinder zu übersenden, die in meiner Gruppe betreut wurden und derzeit noch die Gruppe besuchten, aufgeschlüsselt mit Name, Vorname und Wohnort jedes Kindes.
Daraufhin wurde der Antrag in einer Fraktionssitzung vorgestellt und kontrovers diskutiert. Es wurde eine städtische Initiative zur Förderung der Kindertagespflege ins Leben gerufen. Die CDU-Fraktion will das städtische Kinderbetreuungsangebot ausbauen und vom Kreisjugendamt anerkannten Tagespflegepersonen Zuschüsse für betreuungsspezifische Investitionsausgaben von bis zu 30 % und maximal 3.000 Euro pro Tagespflegeperson und Jahr erstatten.

Der Magistrat, bei dem die Fördergelder zu beantragen sind und der sie auch bewilligt, behält sich allerdings vor, die Zuschusszahlungen mit weiteren Bedingungen zu verknüpfen und unter Vorbehalt auszuzahlen.

Diese Initiative, die der Betreuung und Erziehung von unter Dreijährigen dient, hat der Ausschuss für Jugend, Kultur, Sport und Soziales in einer öffentlichen Sitzung behandelt und einstimmig befürwortet.

Vom hiesigen Jugendamt wurden meine Bemühungen begrüßt, und die Zuschüsse sind mittlerweile auch geflossen. Ich habe meine Rechnungen in Kopie an den zuständigen Amtsrat weitergeleitet, und sie wurden alle umgehend beglichen.
So konnte ich die angefallenen Renovierungsarbeiten für das eigens für die Tagespflege zur Verfügung gestellte Zimmer wie Wände verputzen, Korkparkett legen und streichen sowie die Anschaffungskosten von Krippenbetten, Raumteilern, Spielmaterialien und Spielsand für den Garten mit einem Drittel der Kosten bezuschussen lassen.“

Daniela Lord, Gernsheim

Brief von Daniela Lord an den Bürgermeister von Gernsheim - zum Download