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Heilbronn: Gewerkschaft gegen Tagesmütter (in Tagesstätten)

23.11.2009
„Bloßes Spiel und bloße Betreuung“ – so charakterisierte Karlheinz Trumpf, Pressereferent der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die Arbeit von Tagespflegepersonen in einem Artikel der Lokalzeitung „Heilbronner Stimme“. Mit diesen herablassenden Äußerungen über Tagesmütter und –väter verlieh er seinem Missmut darüber Ausdruck, dass die Stadt Heilbronn Betreuungsengpässen mit dem Einsatz von Tagesmüttern in Kindertageseinrichtungen begegnen will.

Trumpf führte gegen die Heilbronner Pläne an, dass Tagespflege kein Ausbildungsberuf sei und Tagespflegepersonen lediglich für „das bloße Spiel und die bloße Betreuung im Randbereich“ zuständig seien. Nur ausgebildete und festangestellte Erzieherinnen und Erzieher könnten die im Orientierungsplan festgeschriebene frühkindliche Bildung leisten.

Die Äußerung des GEW-Pressereferenten löste bei zahlreichen Tagespflegepersonen Empörung aus. Dieser machten sie in zahlreichen Mails an den Landesverband der GEW bzw. direkt an Trumpf Luft: Sie hätten die Verunglimpfung der Gewerkschaft ver.di im Sommer 2008 (der Laufstall berichtete) immer noch nicht vergessen, obwohl auch ver.di inzwischen eingesehen habe, dass ein Miteinander der Berufsgruppen mehr bringe als ein Gegeneinander (siehe entsprechenden Laufstall-Artikel). Solche Fehldarstellungen der Kompetenz qualifizierter Kindertagespflegepersonen zeigen, dass die Stellung der Betreuungsform Tagespflege, so wie sie inzwischen vom Gesetzgeber vorgegeben und von der Bundes- sowie den Landesregierungen gewollt ist, immer noch nicht im Bewusstsein der breiten Bevölkerung angekommen ist.
„Auch Kindertagespflegepersonen haben den gesetzlichen Auftrag für eine frühkindliche Bildung“, so drückt es eine Tagesmutter deutlich aus. „Mit dem einzigen Unterschied, dass sich dieser auf eine geringere Anzahl von Tageskindern beschränkt.“

Der GEW-Landesverband reagierte mit einer Stellungnahme auf die Proteste. Doch auch der Versuch, einzulenken, zeigt mangelnde Kenntnis darüber, welche Qualifikationen heute erforderlich sind, um als Kindertagespflegeperson zugelassen zu werden: „Es gibt ganz hervorragende Tagesmütter, die ihre Arbeit kindgerecht und professionell machen, sich fortbilden und eine wertvolle Unterstützung für Familien sind - aber das kann nicht dem Zufall überlassen werden“, heißt es in der Stellungnahme.
Folgende Aussage hingegen lässt hoffen: „Wir haben eine hohe Wertschätzung gegenüber der Arbeit der Tagespflegepersonen und wir wissen, dass gesellschaftlich einiges in Schieflage geriete, wenn es sie nicht gäbe. Wenn das anders angekommen ist, möchten wir uns dafür entschuldigen.“

Trumpf fügte dieser Entschuldigung seiner Gewerkschaft noch hinzu: „Viele Eltern könnten Familie und Beruf nicht vereinbaren, wenn es Ihre engagierte Arbeit nicht gäbe. Sie haben dafür mehr als Dank verdient.“

Der GEW-Pressesprecher betonte, dass der Kreisvorstandsbeschluss darauf abziele, zu verhindern, dass Tagespflegepersonen Erzieherinnenaufgaben für deutlich weniger Geld übernehmen sollen – um potentielle Aufgaben von Erzieherinnen und Erziehern in Kindergärten durch die Erweiterung der frühkindlichen Bildung in Einrichtungen für die unter Dreijährigen finanziell bewältigbar zu machen.

Dem ist vom Prinzip her zuzustimmen. Aber: Die Diskussion sollte über die Verschiedenheit der Dienstverhältnisse geführt werden und nicht die Qualifikation von Tagesmüttern in Frage stellen. Denn mittlerweile sind zugelassene Tagespflegepersonen so gut qualifiziert, dass es durchaus legitim ist, wenn eine Tagesstätte bei kurzfristigen personellen Engpässen auf deren Dienste zurückgreift. Dies muss jedoch die Ausnahme bleiben. Dass ein solcher Dienst durch Tagespflegepersonen deutlich höhere Kosten verursacht als die Planstelle einer Erzieherin oder eines Erziehers, sollte nicht verwundern. Flexibilität (siehe Randbereich) ist entsprechend zu honorieren – zumal selbstständige Tagespflegepersonen das gesamte betriebswirtschaftliche Risiko selbst tragen. Höhere Kosten für solche „Notdienste“ verhindern außerdem, dass der Dienst zur Dauereinrichtung wird. Denn dies würde das Konkurrenzdenken zwischen betroffenen Mitarbeitern und Tagesmüttern erst recht schüren.

In den nächsten drei Jahren will Heilbronn 600 neue Betreuungsplätze einrichten. Trumpf befürchtet, dass für diese ehrgeizigen Pläne der Stadt keine Erzieherinnenstellen im Heilbronner Haushalt geschaffen werden, sondern Mittel an eine gemeinnützige GmbH fließen, die Tagesmütter anstellt und an die Stadt stundenweise ausleiht. "Wir können das nicht anders deuten als einen Versuch der Kostenersparnis, deshalb trug auch die Stellungnahme des Kreisvorstandes die Überschrift Keine Sparmaßnahme auf Kosten der Kinder," betont Trumpf.

Sollte eine „Tagesmütter-GmbH“ gegründet werden, steht nur zu hoffen, dass die Heilbronner Tagespflegepersonen selbstbewusst genug sind, sich nicht für Ausleihzwecke ausnutzen zu lassen. Und dies ist zu befürchten ... denn die Stadt will schließlich sparen!

Wir meinen: Eben an dieser Stelle könnte die GEW den Schaden gegenüber den Tagespflegepersonen wieder gut machen. Nur wenn selbstständige Tagespflegepersonen zu seriösen Bedingungen und auf eigene Rechnung engagiert werden, sollte die GEW den GmbH-Plänen zustimmen. Dann spricht auch nichts gegen deren Gründung.

Nur: Bei einer fairen Bezahlung der Tageseltern kann so vermutlich nicht gespart werden ... Aber wie lautete der Slogan der GEW: „Keine Sparmaßnahme auf Kosten der Kinder!“

(Rolf Müller, Laufstall-Redaktion)

Nachtrag Rolf Müller:
Meinen Vorschlag, mit einem weiteren Zeitungsartikel an die Öffentlichkeit zu gehen, in dem weniger die Kompetenz der Berufe in Konkurrenz gestellt wird, sondern mehr auf die Verschiedenartigkeiten der Betreuungsformen hingewiesen wird, die ja auch den Eltern zur freien Auswahl stehen sollen, um damit wiederum die Pläne der Stadt zu kritisieren, will Karlheinz Trumpf aufgreifen und an den GEW-Kreisvorstand weiterleiten.