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Tipps und Infos für Tagespflegepersonen

6. Rechtliches - Medikamentengabe durch die Tagespflegeperson
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Medikamentengabe durch die Tageseltern –
Sinnvoll oder nicht zu verantworten?


Immer wieder konfrontieren abgebende Eltern die Tagespflegeperson mit der Bitte, ihrem Kind Medikamente zu geben. Seien es Globuli wegen der Beschwerden beim Zahnen, Pulver für den Aufbau der Darmflora nach überstandenem Durchfall, Nasentropfen, Hustensaft oder Ähnliches. Es gibt aber auch Kinder mit chronischen Erkrankungen, die im Notfall (z. B. Epilepsie) oder dauerhaft (z. B. Diabetis) Medikamente brauchen. Nicht immer ist es Eltern zeitlich möglich, diese Medikamente selbst zu verabreichen. Dann werden Tagesmutter oder –vater gebeten, dies zu übernehmen.

Gemäß § 1626 Abs. 1 Satz 1 BGB obliegt den Eltern das Recht und die Pflicht der elterlichen Sorge. Diese umfasst nach Satz 2 des gleichen Paragrafen die Personen- und die Vermögenssorge. Die Personensorge umfasst laut § 1631 Abs. 1 BGB insbesondere das Recht und die Pflicht, das Kind zu pflegen, zu erziehen und zu beaufsichtigen. Das schließt auch die Gesundheitsfürsorge mit ein.

Wird ein Kind von einer Tagespflegeperson betreut, so übertragen ihr die Eltern für die Dauer der Betreuungszeit einen Teil dieser Personensorge. Der Förderungsauftrag der Tagespflegeperson umfasst die Erziehung, Bildung und Betreuung des Kindes in Bezug auf seine soziale, emotionale, körperliche und geistige Entwicklung. Die Gabe von Medikamenten gehört nicht dazu und muss daher vertraglich gesondert geregelt werden.

Gesetzliche Bestimmungen und vertragliche Regelung der Medikamentengabe durch die Tageseltern
Da es keine eindeutigen gesetzlichen Bestimmungen für die Gabe von Medikamenten durch eine Tagespflegeperson gibt, müssen Eltern und Tagesmutter oder -vater die Rahmenbedingungen dafür individuell festgelegen.
Grundsätzlich sollte feststehen, dass kranke Kinder nicht fremd betreut werden sollten. Dennoch gibt es immer mehr Kinder, die aufgrund von Allergien oder chronischen Erkrankungen (z. B. Diabetis, Neurodermitis, Epilepsie) auf die regelmäßige Einnahme von Medikamenten angewiesen sind. Diese Kinder dauerhaft aus der Betreuung auszuschließen, würde den Eltern die Möglichkeit der Berufstätigkeit nehmen und den Kindern die Vorteile einer frühkindlichen Förderung. Auch Kinder, denen nach einer überstandenen Krankheit durch ein Attest des Arztes ein Besuch der Tagespflege wieder gestattet ist, müssen manchmal für einen begrenzten Zeitraum noch Medikamente bekommen.

Da die Medikamentengabe häufig in die reguläre Betreuungszeit des Kindes fällt (z.B. vor den Mahlzeiten) muss für diese Fälle eine klare Absprache mit den Sorgeberechtigten stattfinden. Die Medikamentengabe durch die Tagesmutter oder den Tagesvater sollte aber so weit wie möglich beschränkt werden. Nur wenn es medizinisch unvermeidlich ist, dass das Kind Medikamente erhält, und die Eltern zeitlich die Verabreichung nicht selbst übernehmen können, darf die Tagespflegeperson diese Aufgabe übernehmen.

Erforderliche Unterlagen für die Medikamentengabe durch die Tagespflegeperson
Soll die Tagespflegeperson dem Kind Medikamente geben, muss ihr hierfür eine aktuelle schriftliche Verordnung des behandelnden (Kinder-)Arztes vorliegen. Diese muss eindeutige Formulierungen zur Dosierung, Lagerung und Dauer der Einnahme enthalten. Außerdem müssen die Erziehungsberechtigten ihr eine schriftliche Einverständniserklärung vorlegen. Eine genaue Dosierungsanleitung (z. B. „vor jeder Mahlzeit 2 ml des Medikamentes A“ oder „bei einem Krampfanfall Gabe von Medikament B“) sowie besondere Hinweise zur Gabe, Lagerung oder Zubereitung des Medikamentes ist auf der Verordnung zu vermerken. Ebenso sollte die Dauer der Medikamentengabe festgelegt sein (z.B. „vom 02.03.09 bis 07.03.09“ oder „immer bei einem akuten Krampfanfall“).

Ein entsprechendes Formblatt zur Medikamentengabe durch die Tagespflegeperson, das all diese Punkte berücksichtigt, können Laufstall-Mitglieder in ihrem Downloadbereich herunterladen. Melden Sie sich hierfür einfach an: Mein Laufstall

Zur Dokumentation der Verabreichungen müssen Tagespflegeperson und Eltern ein Protokoll über die Medikamentengaben führen, um Doppelgaben oder Ausfälle zu vermeiden.

Der betreuende (Kinder-)Arzt oder sein Vertreter sollten für Tagesmutter oder -vater während der Betreuungszeit telefonisch erreichbar sein, um Rückfragen oder Unklarheiten zu klären. Bei dauerhaften Medikamentengaben bzw. länger andauernden Krankheiten oder speziellen Notfallmedikationen (z.B. bei Epilepsie) sollte der behandelnde Kinderarzt in jedem Fall die Tagespflegeperson gründlich unterweisen.
Wegen der in § 199 Abs. 2 BGB festgesetzten Verjährungsfrist müssen die Unterlagen über die Medikamentenabgabe 30 Jahre lang aufbewahrt werden.

Lagerung und Aufbewahrung der Medikamente
Die Medikamente müssen stets so gelagert und aufbewahrt werden, dass sie für die Kinder unerreichbar sind. Tageseltern sollten die Verordnung des Arztes griffbereit, am besten bei dem Medikament selbst verwahren. Arzneimittel müssen stets in der Originalverpackung (mit Umverpackung und Beipackzettel) bei der Tagespflegeperson hinterlegt werden. Die Verpackung und das Medikament selber müssen mit dem Namen des Kindes gekennzeichnet sein.
Die Lagerbedingungen des Herstellers (z. B. „Aufbewahrung im Kühlschrank“) und Verbrauchskriterien (z. B. „nach Anbruch 2 Wochen haltbar“) müssen unbedingt beachtet und auf dem Medikament gut sichtbar vermerkt werden. Geben Sie als Tageseltern Restbestände nicht mehr benötigter Medikamente an die Eltern zurück.

Versicherungsschutz und Haftung
Zu Versicherungsschutz und Haftung gibt es hier keine eindeutigen gesetzlichen Regelungen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Tagesmutter oder -vater in guter Absicht und im Interesse des Kindes handeln, wenn sie ihm Medikamente - nach Anordnung und Absprache – geben.

Durch die gesetzliche Unfallversicherung ist die Tagespflegeperson nur abgesichert, wenn sich das Kind während der Betreuung verletzt. In diesem Fall muss die Tagespflegeperson für die entstehenden Schäden nicht aufkommen. Sollte ihr jedoch grobe Fahrlässigkeit oder gar Vorsatz nachgewiesen werden können, die zu einer Verletzung des Kindes geführt haben, kann die Tagespflegeperson gegenüber dem Unfallversicherer regresspflichtig bis zur Höhe des zivilrechtlichen Schadensersatzanspruchs werden. Dies gilt auch für Verletzungen durch Gabe von Medikamenten, insofern diese nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 SGB VII als Pflichttätigkeit schriftlich dokumentiert wurde. Hierzu dient die Verordnung durch den Arzt in Verbindung mit der Einverständniserklärung der Eltern.
Das Kind selbst ist im Rahmen der gesetzlichen Unfallversicherung nur für Verletzungsfälle abgesichert, die sich aus den äußeren Rahmenbedingungen der Medikamentengabe ergeben (es schneidet sich z. B. an der Einnahmeflasche).